Migrantische Kämpfe – Arbeitskämpfe!
- Organizing von Hausarbeiterinnen und Legalisierungskämpfe in den USA
Veranstaltungsreihe mit Xiomara Corpeno von der Menschenrechtsorganisation CHIRLA aus Los Angeles
Während in Deutschland der Kampf gegen Abschiebungen und der Kampf um Arbeitsrechte wenig miteinander zu tun hat, ist dies in den USA Alltag. Xiomara Corpeno wird diese Erfahrung im Rahmen einer Rundreise nach Deutschland bringen. Sie arbeitet bei CHIRLA (Los Angeles) als Organizerin von prekarisierten ArbeitnehmerInnen, sowohl speziell mit migrantischen Hausarbeiterinnen als auch allgemeiner im gesamten Niedriglohnbereich. Gleichzeitig ist CHIRLA an den großen Legalisierungs- und Anti-Abschiebekämpfen beteiligt. Im Rahmen der Tour wollen wir uns der Frage stellen, ob und wie auch bei uns (lokale) Gewerkschaftsarbeit, Kämpfe um Arbeitsrechte und Sozialproteste verstärkt mit den Kämpfen von MigrantInnen und antirassistischen Gruppen zusammenkommen und wie entsprechende Kampagnen und Projekte (weiter)entwickelt werden könnten.
Im März 2006 erlebte Los Angeles die bislang größte Demonstration in der Geschichte dieser Metropolenregion, die 6 Wochen später, am 1. Mai 06, gleich nochmals überboten wurde. Über 1 Million Menschen, vor allem weiß gekleidete MigrantInnen, strömten auf den Straßen zusammen und protestierten gegen eine geplante Gesetzesverschärfung, die zu einer massiven Kriminalisierung aller „undocumented migrants“ sowie ihrer Familienangehörigen und sonstigen UnterstützerInnen geführt hätte. Überall in den USA kam es in diesen Wochen zu Massendemonstrationen, in denen eine umfassende Legalisierung der bis zu 12 Millionen geschätzten Illegalisierten gefordert wurde. Diese Forderung wurde zwar bislang nicht erfüllt, doch auch die ursprüngliche Gesetzesvorlage ist seitdem auf Grund der vielen Proteste blockiert. Wenn auch nicht auf vergleichbarem Niveau wie 2006, die Demonstrationen und Kampagnen für die Rechte der MigrantInnen gehen weiter, zumal die „Migra“, die amerikanischen Ausländerbehörden, mit verstärkten Razzien auf Arbeitsstellen sowie zunehmender Abschiebehaft und Abschiebungen den Druck auf die migrantischen Communities enorm erhöht hat.
Was ist die aktuelle Situation migrantischer Bewegungen und Kämpfe in den USA? Wie kam es zu dieser unglaublichen Massenmobilisierung vor zwei Jahren und was hat sich davon halten können? Wie hat sich migrantische Selbstorganisierung weiterentwickelt? Wie steht der Konflikt um die Forderung nach Legalisierung und hat diese Frage nach wie vor gesellschaftliche und mediale Bedeutung? Welche Rolle spielen dabei Menschenrechtsorganisationen wie CHIRLA? Welchen Stellenwert hat die Zusammenarbeit mit anderen Teilen der sozialen Bewegungen? Wie verhalten sich insbesondere die Gewerkschaften zu den Razzien auf den Arbeitsstellen? Und in wie weit setzen Teile der migrantischen Bewegungen ihre Hoffnungen auf einen möglichen neuen US-Präsidenten Barack Obama?
In den Veranstaltungen in 9 Städten wollen wir mit Xiomara Corpeno u.a. entlang dieser Fragen diskutieren und dabei nicht zuletzt auf die Unterschiede aber auch Ähnlichkeiten zur Situation in Europa und Deutschland zu sprechen kommen. Denn nicht nur in Methoden wie Zielen der jeweiligen Migrationsregime gibt es offensichtliche Parallelen, sondern auch in den Kämpfen. Was können wir voneinander lernen und wie können wir zumindest die Kommunikation verbessern? Und in wie weit eignen sich globale soziale Rechte als Bezugsrahmen sowohl für eine transnationale Vernetzung der Migrationsbewegungen als auch für die Auseinandersetzung mit anderen sozialen Bewegungen?